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Editorial

Liebe Mitglieder des Fachvereins Architektur & Kultur

Kulturerbejahr 2018

Regionale Baukultur – nachhaltig und klimagerecht!

Der Klimawandel wird inzwischen als Realität anerkannt und in der Bauplanung die Forderung nach neuen Planungsstrategien für eine Anpassung an die klimatischen Gegebenheiten stärker. Bei zwei Tagesexkursionen des SIA-Fachvereins a&k im Kulturerbejahr 2018 konnte besichtigt werden, wie historische Bauten auf selbstverständliche Weise Klimaanpassung, Ressourceneffizienz und Nachhaltigkeit in regionalspezifischen Bautypologien verbinden.

Die Gesellschaft ist sich einig, dass beim heutigen Bauen stets auch Nachhaltigkeitsaspekte berücksichtigt werden müssen. Nur, welche Aspekte sind besonders wichtig und welche sind verzichtbar? Während die einen auf höchstmögliche Energieeinsparung setzen, ist für andere der Verzicht auf Materialien und Energieträger aus fossilen Rohstoffen prioritär. Zwei Tagesexkursionen des SIA-Fachvereins A&K zeigte anhand zweier Schweizerischer Regionen eindrucksvoll auf, wie sich im früheren Bauen die Aspekte der Ressourcenschonung und der Klimaanpassung beispielhaft zu einer eigenständigen regionalen Bautypologie ausgebildet haben.

Holz im Appenzellerland Im Appenzellerland dominieren lose über die Wiesen und Hügel verstreute Gebäude das Bild. Doch auf den zweiten Blick zeigt sich, dass jedes Gebäude in seiner Stellung, Materialisierung und Fassadengestaltung auf seine klimatische Lage reagiert und somit zu einem unverwechselbaren eigenen architektonischen Ausdruck findet. Gleichzeitig bedienen sich die historischen Gebäude des Appenzellerlandes immer wieder der gleichen Grundkonstruktionen, Detailausbildungen und handwerklichen Techniken. Der resultierende Typus eines reinen Holzhauses mit Blockbau- (Strick-)-Konstruktion, Holz-Schiebefenstern mit Ziehläden, Holzschindeln, Dielenböden, Wand- und Deckentäfern erklärt sich aus der regionalen Verfügbarkeit des Baustoffes Holz, der auch als Energieträger zum Einsatz kam. So entstand eine regional ausgeprägte Handwerks- und Baukultur, die auch noch heute die Region und ihre Bauten prägt. Wer für ein solches Gebäude ein Umnutzungskonzept für heutige Bedürfnisse entwickelt, kommt an der ernsthaften Betrachtung und Berücksichtigung der jahrhundertealten Baukultur nicht vorbei. Sämtliche besichtigte Bauobjekte der a&k Exkursion wurden konsequent unter Berücksichtigung der klimatischen Situation, der Belichtung und der heute veränderten Komforterwartungen weiterentwickelt und konstruktiv umgebaut, ohne das Ursprungsgebäude zu verleugnen.

Fachwerk im Zürcher Weinland Ein gänzlich anderes Gebäudekonzept mit einem ebenso kleinräumlich- regionaltypischen architektonischen Erscheinungsbild konnte im Zürcher Weinland (zwischen Winterthur und Schaffhausen gelegen) besichtigt werden: In eine holz- und materialsparende Fachwerk- (Riegel-) Konstruktion wurden mit feuchteausgleichenden Materialien verputzte Gefache aus Natur- oder Flusssteinen, Kalk oder Lehm ausgeführt. Heutige Sanierungskonzepte müssen daher darauf achten, dass keine Feuchtigkeiten in der Konstruktion eingeschlossen werden und die Hülle dennoch winddicht und wärmegedämmt ist. Dies gelingt i.d.R. mit einer speziell ausgelegten Innendämmung aus kapillaraktiven Dämmmaterialien. Dass die handwerklich- und ressourcenabhängig entwickelte Fachwerk-Baukunst gerade auch zu besonders stimmigen Ortsbildern führt, konnte in Marthalen besichtigt werden, wo der Kernort fast ausschliesslich aus Riegelhäusern besteht, die mit ähnlichen Fachwerkformen und farbigen Gestaltungen ein stets wiederkehrendes Motiv in vielfältigen Varianten abwandeln und somit dem Dorf ein lebendiges Bild verleihen.

Lerning from the past Alte Gebäude können sehr viel mehr sein, als nur eine „nostalgische Erinnerung“. Am Beispiel einer durch Jahrhunderte geprägten Baukultur mit eigenständigen konstruktiven Techniken und streng ressourcenoptimierter Bau- und Handwerkskunst lässt sich ablesen, wie die Verbindung der vielfältigen Nachhaltigkeitsaspekte nicht nur gelingen kann, sondern auch zu einer identitätsstiftenden und verbindenden Klammer für unsere Siedlungen und Landschaften wird. Regionale Baukultur wird somit zum vorbildhaften Gegenentwurf zu einer beliebig gewordenen Planungskultur, die ohne Berücksichtigung und Kenntnis der kleinräumlichen und klimatischen Situation den immergleichen seriellen Bautypus an jedem beliebigen Ort dieser Welt planen und bauen kann.

Gleichzeitig müssen heutige Umbauten alter Gebäude nicht mit neuen ortsfremden Materialien eingreifen, sondern sollten die bestehende Konstruktion weiterführen, abwandeln und für heutige Bedürfnisse verbessern, indem der Altbau auf nachhaltige Weise „weitergebaut“ wird. Dies erlaubt auch ergänzende An- und Umbauten, sowie ergänzende Neubauten. Gerade im europäischen Jahr des Kulturerbes 2018 ist dies ein wichtiges Anliegen, um nicht den ererbten Schatz an Bauten, Ortsbildern und handwerklicher Kunst gegen eine austauschbare Baukultur der verputzten Dämmfassade zu verlieren.

Für die Organisation und Umsetzung der Tagesexkursionen ins Appenzellerland und Zürcher Weinland dankt der Vorstand des a&k Herrn Christian Kaiser recht herzlich!

Christian Kaiser ist Dipl.-Ing. Architekt SIA, Lehrbeauftragter an diversen Hochschulen, Autor des Fachbuches „Ökologische Altbausanierung“ und Bereichsleiter für Bauerneuerung und Nachhaltigkeit bei FRIEDLIPARTNER AG in Zürich. www.friedlipartner.ch

Übersicht

  • Die Übersicht der laufenden a&k Tagesexkursionen und a&k Studienreisen finden Sie unter: aktuell.

  • Die laufenden a&k Bulletins zum download finden Sie unter: Bulletin